Neuorganisation und Grundinstandsetzung des Marstallgeländes
Der nördlich von Schloss Wilhelmshöhe gelegene Ökonomiebereich mit Marstall und Reithalle war historisch der Versorgungskomplex für den Schlossbetrieb. Heute existiert dort eine gewachsene Mischnutzung aus Gartenbetrieb, Wohnungen, Werkstätten, Hotel, Café und Lagerflächen. Viele dieser Nutzungen sind dem historischen Ensemble abträglich, da sich zum Beispiel der Gartenbetrieb durch die zunehmende Mechanisierung mit großen Maschinen nur noch schwer in das historische Raumgefüge eingliedern lässt. Schäden an der Substanz, eine Beeinträchtigung der Wahrnehmung der Baudenkmale und eine empfindliche Störung des Hotelbetriebs – zumal sich dieser zu einem „4+“ bis 5-Sterne-Haus entwickeln möchte – sind die Folge. Zugleich werden die Flächen im Kirchflügel und nördlichen Verbinderbau von Schloss Wilhelmshöhe weitgehend als Büro- bzw. Arbeits-, Lager- und Technikräume durch die Museumsverwaltung genutzt. Diese Räume sind – in enger Anbindung an das Corps de Logis mit der Gemäldegalerie Alte Meister und der Antikensammlung – als erweiterter Ausstellungsbereich sehr viel angemessener zu verwenden. Daher wird eine weitest mögliche Verlagerung der Sekundärnutzungen in das Marstallgelände angestrebt; wodurch der historische Versorgungskomplexes für das zentrale Schloss eine moderne Neuinterpretation erfährt.Um dies realisieren zu können, sind folgende Teilprojekte vorgesehen:
Neubau des Gartenbetriebshofes
Der Gartenbetrieb nutzt bislang die Gebäude des Ökonomiebereichs. Die zunehmende Mechanisierung führte zu einer übermäßigen Beanspruchung des historischen Geländes und der Bauwerke, die für diese Art der Nutzung nicht ausgelegt sind. Infolgedessen wurde unter Abwägung aller Möglichkeiten entschieden, einen Gartenbetriebshof an anderer Stelle einzurichten, der sowohl den Bedingungen des Maschinenbetriebs als auch den heutigen Anforderungen an die Gestaltung von Arbeitsplätzen gerecht wird. Nach intensiven Voruntersuchungen, fiel eine Entscheidung zugunsten eines Neubaus auf dem Gelände des Parkplatzes an der Ochsenallee. Die Standortsuche, die von der Expertenrunde im Welterbeworkshop intensiv begleitet wurde, integriert die Anlage denkmalgerecht in den Bergpark. Gleichzeitig wird sie aber bewusst nicht „versteckt“, da der Ökonomiebereich auch historisch immer fester Bestandteil des Gartens war und Besucherinnen und Besucher der Anlage sehen sollen, dass er ein notwendiges Element zur Pflege und zum Erhalt des Bergparks darstellt. Die architektonische Gestaltung wird über einen Wettbewerb gefunden, der auch den besonderen Anforderungen des Landschaftsschutzgebietes und des Kurbezirkes Rechnung tragen soll. In der Vorplanung wird bereits untersucht, ob es im Sinne einer Nachhaltigskeitsstrategie die Möglichkeit gibt, einen möglichst großen Teil der zum Betrieb des Gebäudes notwendigen Energie aus Baum-, Gehölz- und Grasschnitt aus dem Bergpark zu gewinnen. Eine entsprechende Forschungskooperation mit der Universität Kassel und verschiedenen Fraunhofer-Instituten wurde dazu ins Leben gerufen. Durch den Neubau des Gartenbetriebshofes außerhalb des Marstallgeländes können alle für den Gartenbetrieb Wilhelmshöhe notwendigen Einrichtungen aus den historischen Gebäuden ausgegliedert werden. Mit dem Neubau, der auf nicht mehr benötigten Stellplätzen unterhalb des Bergparks platziert wird, besteht die Chance, den Gartenbetrieb nach modernsten betrieblichen, wirtschaftlichen, denkmalpflegerischen und ökologischen Gesichtspunkten zu organisieren. Neben den Fahrzeug-, Maschinen- und Gerätehallen und den verschiedenen Werkstätten, die für den Gartenbetrieb in Wilhelmshöhe notwendig sind, werden für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch angemessene Sozial- und Sanitärräume geschaffen.
Instandsetzung und Ausbau der Reithalle
Die Instandsetzung und der Ausbau der Reithalle greift direkt eine Anregung aus der Kasseler Bürgerschaft auf. Das klassizistische Gebäude neben dem Marstall soll instand gesetzt, restauriert und mit Hilfe minimaler baulicher Verbesserungen zu einem multifunktionalen Ort für Veranstaltungen ausgebaut werden. Für größere Konzerte, Theateraufführungen oder museumspädagogische Aktivitäten wird dadurch ein attraktiver Raum geboten, den es in dieser Form und Größe in Kassel noch nicht gibt. Durch die behutsame, denkmalgerechte Restaurierung und Instandsetzung wird die Reithalle aber den Charakter einer „Konzertscheune“ (Sommernutzung) behalten, die ihren besonderen Reiz durch die einzigartige, weitgespannte hölzerne Dachkonstruktion erfährt.
Instandsetzung und Ausbau des Marstalls
In einem weiteren Schritt ist die Sanierung des eigentlichen Marstallgebäudes vorgesehen. In den drei Gebäudeflügeln sollen die sekundären Funktionen untergebracht werden, die neben den Ausstellungsräumen eine Schnittstelle zwischen der Museumslandschaft Hessen Kassel und der Öffentlichkeit darstellen: Dazu zählen neben der öffentlichen Präsenzbibliothek und der Graphischen Sammlung auch die Arbeitsplätze der Wissenschaftler und des Direktionsstabes. Zudem ist genügend Fläche vorhanden, um das Depot der Gemäldegalerie mit den Restaurierungswerkstätten hierher zu verlagern.
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